Dienstag, 5. Mai 2009

Mai Gedicht

Der Mai

Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun.
Auch der Mai tut weh
Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt

Aus: Erich Kästner, Die Dreizehn Monate

Kommentare:

  1. Hach...ich liebe Gedichte.Danke,dass du so ein schönes ausgesucht hast.
    Ich wünsche dir einen tollen Mai,
    LG Line

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  2. Gedichte liebe ich sehr - freu mich riesig, dass es bei dir so viele zu lesen gibt!! Und vielen herzlichen Dank, für deine Zeilen, obwohl du derzeit ja ziemlich viel zu tun hast!

    Wünsch dir eine wunderschöne Woche, mit möglichst wenig Stress,
    LG herzlichst Jade

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